Hundetraining & Verhaltensberatung

Wissenswertes

Alpha, Dominanz und Rangordnung in der Mensch-Hund-Beziehung

 

Man kann von seinem Hund nur dass verlangen was man ihm beigebracht hat, aus diesem Grund ist es keine Frage der Rangordnung und/oder Dominanz, wenn Ihr Hund ein "Kommando" nicht ausführt!

 

Antsatt Ihrem Hund Dominanz und/oder Sturheit zu unterstellen, sollten Sie sich eher die Frage stellen ob der Hund vielleicht gar nicht versteht was Sie von ihm verlangen, (wie ist Ihr Trainingsstand, wurde es oft genug geübt, geschweige denn, generalisiert?) oder hat er vielleicht Schmerzen, Angst, Stress?

 

Ein Hund kommt nicht "vorprogrammiert" auf die Welt und weiss wie er sich in dieser zu verhalten hat.

 

Leider noch viel zu oft bekommt man von "Hundekennern" oder "Hundetrainern" den Rat man müsse in der Mensch-Hund Beziehung die Alpharolle übernehmen, damit der Hund diese nicht übernimmt!

 

Typische Ratchläge wie:

 

  • Ignorieren Sie den Hund wenn Sie nach Hause kommen

  • Ihr Hund darf keine Spielsachen zur freien Verfügung haben

  • Sie müssen immer zuerst essen, dann erst darf Ihr Hund gefüttert werden

  • Wenn Ihr Hund im Weg liegt, muss er aufstehen

  • Kommt Ihr Hund zu Ihnen um gestreichelt zu werden, muss er ignoriert werden

  • Sie müssen beim Spaziergang immer vor dem Hund laufen

  • Erhöhte Liegeplätze sind für Ihren Hund "tabu"

  • uvm,

basieren auf der Dominanztheorie welches zum Ziel hat, Interaktionen zwischen Individuen der "gleichen Art" in der Konkurrenz um Ressourcen zu beschreiben.

 

Im Zusammenhang mit unseren Hunden ist der Begriff der sozialen Dominanz, welcher aus der Verhaltensbiologie stammt, relevant. Unter sozialer Dominanz versteht man die Durchsetzung eines Tieres gegen einen Artgenossen an einer bestimmten Ressource zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dominanz ist immer beziehungsspezifisch und zeit- und situationsbezogen!

Dominanz ist weder eine angeborene Eigenschaft, noch beschreibt sie ein Dauerverhalten eines Tieres.

 

Dem Hund ist es egal, wer als erster zu essen bekommt, oder zuerst durch die Tür läuft, dies wird nichts an seinem Gehorsam ändern. Mit Rangreduktionsprogrammen sagen wir dem Hund nicht was wir von ihm wollen, der Hund sieht keinen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und diesen.

 

  • Wenn Ihr Hund Sie also anstupst, oder seinen Kopf auf Ihren Arm oder Ihr Bein legt, hat dies nichts mit Dominanz zu tun oder weil er der Rudelchef sein möchte, sondern es kann einfach nur bedeuten dass er Ihre Nähe sucht, kuscheln möchte, oder was auch immer.

  • Wenn Ihr Hund auf dem Sofa liegt oder auf hrem Bett, dann liegt er mit grosser Wahrscheinlichkeit dort, weil es da einfach bequem ist.

  • Wenn Ihr Hund Sie anspringt wenn Sie nach Hause kommen, dann pöbelt er Sie nicht an, sondern begrüsst Sie auf hundliche Art. (und weil Sie ihm kein Alternativverhalten beigebracht haben)

  • Wenn Ihr Hund vor Ihnen durch die Tür läuft, dominiert er Sie nicht, sondern er ist einfach nur schneller.

  • Wenn Ihr Hund an der Leine zerrt, also vor Ihnen läuft, will er nicht der Chef sein, sondern es wurde ihm nicht beigebracht. (Leinengehen kommt nicht im genetischen Programm des Hundes vor)

 

 

Die Studien, welche Dominanz-Rangordnung-und Alpha beschreiben, wurden an Wölfen in Gefangenschaft durchgeführt. Diese Wölfe wurden zufällig zusammengewürfelt, konnten nicht abwandern, waren erheblichem Stress ausgesetzt und konkurrierten daher ständig miteinander.

 

Solche Beobachtungen und Interpretationen können nicht auf ein freilebendes Wolfsrudel, geschweige denn auf unsere Haushunde, übertragen werden.

 

Freilebende Wölfe leben die meiste Zeit sehr friedvoll zusammen. Gewalt wäre kontraproduktiv, und würde die Stabilität des Rudels gefährden. Natürlich sorgen die Elterntiere für das einhalten gewisser Regeln, diese werden aber ohne Gewalt durchgesetzt. Es wird auch mal weggeschubst, geknurrt, Zähne gebleckt oder ein Schnauzengriff angewandt, was aber nicht bedeutet dass der Mensch diesen imitieren sollte!

 

Der Mensch ist kein Wolf/Hund, und kann nicht dementsprechend handeln!

 

Bei Hunden gibt es keine Rangordnung und hierarchische Strukturen, die Strukturen bei Hunden  sind sehr fliessend und inkonstant.

 

Das Wolfsrudel ist Biologisch gesehen ein Familienverband, bestehend aus Eltern und deren Nachkommen (also direkte Verwandte). Ich kann als Mensch also niemals ein Rudel mit dem Hund bilden, da wir verschiedenen Spezies angehören.

 

Trainingstechniken, welche "Rangreduktionsprogramme" anwenden sind also nicht nur veraltet und seit vielen Jahren von Verhaltens-Biologen wie zum Beispel David Mech widerlegt, sondern auch noch gefährlich!

 

Sie können das Verhalten des Hundes sogar verschlimmern. Es kann zu einer Eskalation der Aggression kommen, weil der Hund gelernt hat Aggression zu zeigen, um z.B. Bestrafung zu vermeiden.

 

Oder aber das Resultat ist, dass der Hund sich gar nichts mehr traut, weil sein Verhalten ständig gehemmt wird! Wie würden wir uns fühlen wenn jemand unser Verhalten ständig unterdrücken und/oder bestrafen würde anstatt uns zu zeigen oder zu erklären was er von uns möchte?

 

 

Trainingsmethoden, welche auf der Rangordnungs-Theorie basieren, haben nichts in der Hundeerziehung zu suchen. Heute wissen wir es besser, und dieses Wissen sollten wir nutzen und nicht an veraltetem Kram festhalten!

 

Glauben Sie nicht alles was man Ihnen erzählt, sondern hören Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand, auf Ihr Bauchgefühl und machen Sie sich schlau.

 

Ob wir uns für eine positive Erziehung unserer Hunde entscheiden oder mit Strafe arbeiten, hat nicht nur mit  Wissen zu tun sondern auch mit unserer Einstellung und unserem Respekt vor einem anderen Lebewesen!

 

 

Wollen Sie noch mehr zum Thema wissen dann klicken Sie hier: http://www.spass-mit-hund.de

 

Lieben Dank an Christina Sondermann 

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